Felix Landwehr
Senior SEO-Manager
17. April 2026
8 min
Das erwartet dich
- Eine strukturelle Verschiebung - kein Trend
- SEO ist tot? Spoiler: Nein.
- SEO, AIO, GEO, SXO – wie die Disziplinen zusammenspielen
- Wie KI-Suchen wirklich funktionieren
- Der Golden Retriever und das RAG-Prinzip
- Was sich für dein SEO konkret ändert
- Neue Metriken für eine Realität
- Der Blick nach vorn: 2027 und Ki-Agenten
- Fazit: Was jetzt zählt
Eine strukturelle Verschiebung – kein Trend
100 Millionen Menschen nutzen jede Woche ChatGPT. 16 % der Early Adopter suchen bereits primär über Chatbots statt über Google. Die erste Reaktion vieler Marketingverantwortlicher: Panik. Die zweite: Abwarten. Beides ist falsch.
Beim open:space April 2026 hat unser Kollege Felix – mit über zehn Jahren SEO-Erfahrung, genau das auseinandergenommen.
Seine Kernbotschaft: Was gerade passiert, ist kein weiterer Core-Update-Zyklus. Es ist eine strukturelle Verschiebung in der Art, wie Menschen suchen, fragen und entscheiden. Und wer jetzt nicht versteht, was das für Content, Rankings und Markenwahrnehmung bedeutet, wird das spätestens in zwei Jahren in den Umsatzzahlen spüren.
SEO ist tot? Spoiler: Nein.
Diese Aussage kursiert regelmäßig und sie ist weiterhin falsch. Aber das Wissen, das wir in den letzten Jahren über Suchmaschinenoptimierung aufgebaut haben, muss neu eingeordnet werden.
Felix hat mitgebracht, was die Zahlen wirklich sagen: Google ist laut einer Studie von Adobe Express nach wie vor die dominanteste Suchplattform – mit 85 % Nutzungsanteil. Trotz TikTok, trotz ChatGPT, trotz allem.
Aber: Die Suche fragmentiert sich.
Was das bedeutet: Ein einziger Hauptartikel reicht 2026 nicht mehr. Content muss verschiedene Motive bedienen – genau dort, wo deine Zielgruppe gerade evaluiert.
Gleichzeitig zeigen Daten von Sistrix, dass monatlich 285 Millionen Klicks allein in Deutschland durch die Einführung der AI Overviews verloren gegangen sind. Die Click-Through-Rate auf Platz eins ist von 28 % auf 11 % gesunken – ein Rückgang von rund 60 %. Das klingt apokalyptisch.
Ist es aber nicht, wenn man es richtig einordnet: Je informativer die Suchintention, desto stärker greift Google selbst ein. Nischen und transaktionale Anfragen sind deutlich weniger betroffen.
Die eigentlich spannende Frage lautet deshalb nicht: Wie viele Klicks gehen verloren? Sondern: Wo suchen und entscheiden deine Kund:innen stattdessen?
SEO, AIO, GEO, SXO – wie die Disziplinen zusammenspielen
SEO ist das Zentrum, aber nicht mehr das ganze Spiel. Wer nur eine Disziplin optimiert, lässt rund 80 % des Potenzials liegen. Eine zeitgemäße SEO-Agentur arbeitet deshalb längst auch als GEO-Agentur – mit Blick auf alle vier Komponenten.. Die vier Komponenten greifen ineinander, jede mit einer eigenen Funktion. Über klassisches SEO wirst du entdeckt – es bringt dich in die Rankings und ist die Basis für alles, was folgt. AIO, also AI Optimization, bringt dich in die Antwortboxen der KI-Systeme – dort wirst du gewählt. Über GEO wirst du zitiert und weiterempfohlen. Und SXO, die Search Experience Optimization, sorgt dafür, dass der Klick am Ende auch zählt: dass Nutzer:innen auf deiner Seite das finden, was sie suchen, und dir vertrauen. Diese Disziplinen sind additiv, nicht alternativ. Wer das versteht, optimiert nicht mehr für eine Plattform – sondern für den gesamten Entscheidungsweg seiner Zielgruppe.
Wie KI-Suchen wirklich funktionieren
Viele glauben, KI „liest" einfach ihre Website. Das stimmt nicht.
Eine Anfrage an eine KI-Suchmaschine wie ChatGPT ist immer ein zweistufiger Prozess. Zuerst prüft die KI, ob sie die Frage direkt aus ihren Trainingsdaten beantworten kann. Wenn nicht, startet sie eine eigenständige Recherche im Netz.
Dabei zerteilt ein sogenannter Retriever, und hier kommt Felix' Metapher mit dem Golden Retriever ins Spiel, deine Inhalte in kleine Textabschnitte, sogenannte Chunks. Diese sind meist 40 bis 60 Wörter lang. Die KI sieht nie deine gesamte Landingpage, sondern wählt nur die passendsten Textpassagen aus und bildet daraus den Kontext für ihre Antwort. Dieses Prinzip nennt sich Retrieval Augmented Generation (RAG) – auf Deutsch: durch Abruf unterstützte Textgenerierung.
Was das für dich bedeutet: Nicht deine gesamte Website rankt in einem KI-System. Einzelne Absätze tun es.
Der Golden Retriever und das RAG-Prinzip

Felix hat im Vortrag ein Bild genutzt, das hängen bleibt: den Golden Retriever. Ursprünglich gezüchtet, um die Beute des Jägers zurückzuholen und genau das macht er auch in der KI-Suche.
Wenn du eine Frage an ChatGPT oder eine andere KI-Suchmaschine stellst, passiert im Hintergrund folgendes: Die KI prüft zunächst, ob sie deine Frage aus ihren Trainingsdaten beantworten kann. Wenn nicht und das ist häufiger der Fall als man denkt – schickt sie einen sogenannten Retriever los. Dieser durchsucht das Netz eigenständig, sammelt relevante Informationen ein und bringt sie zurück. Daher der Name: Retrieval Augmented Generation, kurz RAG – auf Deutsch so viel wie „durch Abruf unterstützte Textgenerierung".
Was dabei wichtig ist: Der Retriever liest nicht deine gesamte Website. Er zerlegt deine Inhalte in kleine Textabschnitte – sogenannte Chunks von meist 40 bis 60 Wörtern – und wählt nur die passendsten davon aus. Die KI sieht am Ende einen Ausschnitt, nicht das große Ganze. Was nicht klar strukturiert und auf den Punkt formuliert ist, fliegt raus.
Dazu kommt ein weiterer Mechanismus, die Fan-Out Queries: Deine ursprüngliche Suchanfrage wird von der KI automatisch in mehrere Sub-Fragen zerlegt, um eine möglichst vollständige Antwort zu liefern. Diese Sub-Queries tauchen weder in der Search Console noch in klassischen SEO-Tools auf – sie sind praktisch unsichtbar.
Was das konkret bedeutet, zeigt Felix am Beispiel: Wer eine Landingpage zum Thema „Japanischen Garten anlegen" optimiert, sollte auch Fragen wie „Japanischer Garten für den kleinen Balkon", „Kosten pro Quadratmeter" oder „Gestaltungsprinzipien für Einsteiger" abdecken – auf einer Seite oder in sinnvoll verlinkten Subpages. Wer diese Breite liefert, gewinnt die Sichtbarkeit. In Google und in der KI.
Was sich für dein SEO konkret ändert
Eine der wichtigsten Zahlen aus Felix' Vortrag stammt von SEO-Experte Kevin Indig: 44 % aller Zitierungen durch KI-Systeme kommen aus den ersten 30 % des Contents. Das erste Drittel deines Textes ist dein sicherster Hafen für Kernbotschaften.
Gute Autor:innen schreiben schon immer nach der umgekehrten Pyramide – die wichtigsten Informationen zuerst, Details danach. KI-Systeme bestätigen dieses Prinzip.
Für dein SEO bedeutet das konkret:
Schwammige Teile und Marketing-Blabla fliegen raus. Inhalte müssen klar strukturiert, zitierfähig und vertrauenswürdig sein. Klare Absätze erhöhen die Chance, in KI-Antworten aufzutauchen. Und wer als Quelle von einem LLM genutzt werden will, muss außerdem verteilen: auf Reddit, in Branchenportalen, auf Wikipedia, über Gastbeiträge, Podcast-Auftritte mit Transkripten und natürlich über LinkedIn.
Außerdem empfiehlt Felix, Personas neu zu denken: weg von rein demografischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Einkommen), hin zu psychografischen Merkmalen – also wie jemand heute sucht und wie er Entscheidungen trifft. Ein Skeptiker ist auf Reddit und in Foren unterwegs. Ein Heimwerker schaut YouTube-Tutorials und liest How-to-Guides auf ChatGPT. Diese Erkenntnisse verändern, welche Inhalte du für wen auf welcher Plattform bereitstellen solltest.
Neue Metriken für eine neue Realität
Google Analytics allein reicht nicht mehr. Felix hat vier neue KPIs vorgestellt, die neben den klassischen SEO-Kennzahlen entscheidend werden:
Dabei unterscheidet Felix zwei Arten von Sichtbarkeit: Brand-Sichtbarkeit (wirst du als Marke genannt?) und Source-Sichtbarkeit (wird deine Domain als Quelle genutzt?). Beide sind wichtig und beide können unabhängig voneinander funktionieren. Wer nur eine davon im Blick hat, hat eine Lücke.
Tools wie Sistrix Waves oder Peek.AI helfen dabei, diese Sichtbarkeit zu tracken und zu verstehen, wo Handlungsbedarf besteht.
Der Blick nach vorn: 2027 und KI-Agenten
Was kommt als Nächstes? KI-Suchmaschinen entwickeln sich zu Agenten – Systemen, die nicht nur antworten, sondern für Nutzer:innen aktiv entscheiden. Du gibst das Ziel vor, der Agent liefert das Ergebnis. Für Marken bedeutet das: Nur wer maschinenlesbar, vernetzt und zitierfähig ist, kommt überhaupt noch in die Auswahl.
Wer heute Strukturen, Autorität und Zitierfähigkeit aufbaut, sichert sich den Vorsprung, den es 2027 kaum aufzuholen gibt. Wer heute wartet, optimiert für ein System, das seine Meinung über eure Marke bereits gebildet hat.

Fazit: Was jetzt zählt
Klassisches SEO bleibt das Fundament. Ohne Rankings wirst du nicht gefunden – und was nicht gefunden wird, wird nicht zitiert. Laut einer Studie von ROPS Research werden Seiten aus den Top 20 von Google 3,5-mal häufiger in AI Overviews zitiert als Seiten außerhalb dieser Positionen.
Aber SEO alleine reicht nicht mehr aus. GEO – Generative Engine Optimization – ergänzt die Regeln, ersetzt sie aber nicht. Die Gewinner:innen 2026 und 2027 sind die, die beides zusammendenken: klassische Suchmaschinenoptimierung und KI-gerechten, strukturierten, verteilten Content. Wer als Unternehmen heute noch sauber zwischen SEO- und GEO-Agentur trennt, denkt zu kurz – die Disziplinen gehören in eine Hand.
Die sechs GEO-Säulen, die Felix abschließend zusammengefasst hat:
Wir bei move:elevator arbeiten täglich an genau diesen Themen – mit einer internen Task Force aus SEO, Content Marketing und Social Media sowie einem Research & Development Lab für kontinuierliches Testing. Wenn du wissen willst, wo dein größtes digitales Potenzial liegt, ist eine GEO-Potenzialanalyse der perfekte Startpunkt.




