Ronny Hauptvogel
Senior Developer
22. Oktober 2026
ca. 6 min
KI verändert gerade, wie Websites gebaut, gepflegt und genutzt werden. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Genau deshalb lohnt sich der Blick dorthin, wo Entwickler:innen, Agenturen und Hoster offen teilen, was in der Praxis funktioniert und was nicht: auf die Barcamps der TYPO3 Community.
Am 16. Oktober 2026 waren wir zu dritt beim TYPO3 Camp Berlin. Ronny und Konrad, beide Senior Developer, und Sandra, Senior Consultant bei move:elevator, haben einen Tag lang Sessions besucht, mitdiskutiert und Ideen gesammelt. Einige davon setzen wir schon in unserer Arbeit um, andere beobachten wir genau.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Themen die Community gerade bewegen. Und vor allem: was du als Marketingentscheider:in oder Geschäftsführer:in daraus für dein Unternehmen ableiten kannst.
Das erwartet dich
- Ein Tag auf dem TYPO3 Camp: volle Räume, schnelle Sessionplanung
- TYPO3 lebt: das CMS als Main Character
- RAG mit TYPO3: Wenn KI dein eigenes Wissen nutzt
- WebMCP: Wenn KI-Agenten deine Website bedienen
- KI-Agenten im Workflow: Entwicklung mit Herdr
- TYPO3 als Applikation: mehr als ein Website-CMS
- Weitere Sessions: Konrads und Sandras Learnings
- Learnings für Entscheider:innen: Was du jetzt mitnehmen kannst
- Fazit
Ein Tag auf dem TYPO3 Camp: volle Räume, schnelle Sessionplanung
Das TYPO3 Camp Berlin fand vom 15. bis 17. Oktober 2026 im bUm in Berlin-Kreuzberg statt. Wir waren am Freitag vor Ort. Die Samstags-Sessions haben wir deshalb leider verpasst.
Das Camp war gut besucht und die Energie war vom ersten Moment an spürbar. Die Sessionplanung am Freitagmorgen lief zügig. Am Ende gab es sogar mehr Vorschläge als freie Slots, sodass direkt Sessions für Samstag eingeplant wurden. Ein gutes Zeichen dafür, wie viel die Community zu teilen hat. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in den öffentlichen Session-Notes weitere Details.
TYPO3 lebt: das CMS als Main Character
In der Session „CMS als Main Character“ haben Luisa und Myrna vom TYPO3 Core Team über aktuelle Themen und Erfahrungen im TYPO3-Kosmos gesprochen. Spannend für uns: Laut ihren Beobachtungen verlieren WordPress und Adobe Experience Manager im US-Markt Anteile und einige Unternehmen denken deshalb über einen CMS-Wechsel nach.
Dazu passt eine Entwicklung, die wir sehr hilfreich finden. Das TYPO3 Team stellt jetzt Vergleiche zu anderen CMS-Systemen direkt bereit. Die Frage „Was unterscheidet TYPO3 eigentlich von anderen Systemen?“ kommt in Projekten regelmäßig auf. Jetzt gibt es eine Quelle, mit der du sie fundiert beantworten kannst.
Unser Eindruck: TYPO3 lebt. Und Open-Source-Produkte kommen zunehmend auch in größeren Unternehmen zum Einsatz.
RAG mit TYPO3: Wenn KI dein eigenes Wissen nutzt
Martin von Mittwald hat in seiner Session erklärt, was ein RAG ist und wofür du es einsetzen kannst. RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Ein Sprachmodell greift dabei auf deine eigenen Inhalte zu, statt nur auf sein Trainingswissen.
Während seines Talks hat Martin auch Stolpersteine offen angesprochen:
Eine kleine Demo hat gezeigt, wie das in der Praxis aussehen könnte.
WebMCP: Wenn KI-Agenten deine Website bedienen
Josua von der Telekom MMS hat über WebMCP gesprochen. Das ist ein neuer Webstandard, an dem Google und Microsoft gerade arbeiten. Die Idee: Deine Website stellt KI-Agenten klar beschriebene Funktionen bereit. Ein Agent kann so zum Beispiel eine Tischreservierung oder eine Kontaktanfrage für seine Nutzer:innen erledigen, ohne sich mühsam durch die Oberfläche zu klicken.
Wichtig dabei: Der Mensch behält die Kontrolle. Agents handeln im Auftrag der Nutzer:innen, nicht völlig autonom. Für TYPO3 ist der Einstieg vergleichsweise einfach, denn strukturierte Formulare lassen sich gut als Tools für Agents beschreiben.
Aber: WebMCP ist aktuell noch ein Draft. Chrome und Edge testen den Standard erst in einer Testphase.
„WebMCP kann für Unternehmenswebsites durchaus relevant werden, weil Agents darüber Aufgaben effizient und direkt auf der Website erledigen können. Solange der Standard ein Draft ist, würde ich noch keine Zeit in eine Integration investieren. Wir beobachten die Entwicklung und integrieren WebMCP testweise, sobald der Draft-Status verlassen wird.“ Ronny, Senior Developer bei move:elevator
Wenn du heute schon wissen willst, wie du in KI-Suchen und Antwortmaschinen sichtbar wirst, schau dir unser Angebot rund um GEO & GAIO an.
KI-Agenten im Workflow: Entwicklung mit Herdr
Ronnys persönliches Highlight des Tages war die Session von Susi (neusta GmbH). Sie hat gezeigt, wie sie ihren Entwicklungsworkflow mit dem Tool Herdr überwiegend automatisiert und parallelisiert hat.
So funktioniert ihr Setup:
Besonders spannend: Susi reviewt die Anpassungen teilweise gar nicht mehr selbst. Stattdessen sorgen ihre strengen Qualitätskriterien dafür, dass das Ergebnis ihren Anforderungen entspricht.
Bei uns arbeiten die Entwickler:innen alle überwiegend mit Claude Code, auch wenn partiell zusätzlich noch andere Agents verwendet werden. Durch diverse MCP-Integrationen und/oder Konnektoren bauen wir unsere Workflows dabei heute auch schon agentisch auf. Dennoch setzen wir bisher weiterhin auf eigene Code-Reviews sowie Reviews durch andere Entwickler:innen.
„Ich schaue mir jetzt die Parallelisierung über Git Worktrees und Claude-Code-Workflows genauer an. Damit sollte sich ein ähnliches Setup wie das von Susi realisieren lassen.“ Ronny, Senior Developer bei move:elevator
Wie du KI-Agenten sinnvoll in deine eigenen Prozesse bringst, zeigen wir dir im Bereich KI Transformation.
TYPO3 als Applikation: mehr als ein Website-CMS
Zum Abschluss des Tages hat Andraz gezeigt, dass TYPO3 auch dann eine gute Wahl sein kann, wenn gar keine klassische Website entsteht. In seinen Beispielen hat er das TYPO3 Backend durch Eigenentwicklungen erweitert. Nutzer:innen pflegen und verwalten dort Produktdaten. Ein Frontend braucht es nicht, denn die Daten nutzt ein anderes Tool weiter.
Warum TYPO3? Weil es Nutzerverwaltung, Dashboards und vieles mehr bereits mitbringt. Das spart Entwicklungszeit. Ob wir uns in so einem Fall ebenfalls für TYPO3 entscheiden würden, ist für uns eine offene Frage. Der Ansatz zeigt aber, wie flexibel das System ist. Wenn du über ein Portal oder eine individuelle Lösung nachdenkst, lohnt sich der Blick auf Individualsoftware und Kundenportale.
Weitere Sessions: Konrads und Sandras Learnings
Konrad und Sandra haben zusätzlich weitere Sessions besucht, eine davon gemeinsam:
Learnings für Entscheider:innen: Was du jetzt mitnehmen kannst
Was bedeutet das alles für dich als Marketingleitung oder Geschäftsführung? Hier sind unsere Empfehlungen:
- Setze auf Open Source mit Zukunft. TYPO3 ist lebendig und wird zunehmend auch in größeren Unternehmen eingesetzt. Wenn du über einen CMS-Wechsel nachdenkst, helfen dir die offiziellen Vergleiche bei der Einordnung. Mehr zu unserer Arbeit mit TYPO3 findest du hier.
- Beobachte WebMCP, statt jetzt zu investieren. Der Standard kann wichtig werden, ist aber noch ein Draft. Plane die Integration, sobald er stabil ist.
- Führe KI-Agenten in der Entwicklung ein.Ein Setup aus mehreren Agenten kann die Entwicklung deutlich beschleunigen. Wichtig sind klare Rollen und verlässliche Qualitätskriterien.
- Denk TYPO3 größer. Das System kann auch als Basis für Anwendungen ohne Frontend dienen, etwa zur Pflege von Produktdaten.
- Nimm Softwaresicherheit ernst. Mit dem Cyber Resilience Act steigen die Anforderungen an die Software, die du einsetzt.
- Behalte KI-Chatbots für deine Website im Blick. Lösungen, die auf deine eigenen Inhalte zugreifen und datenschutzkonform gehostet werden, stehen noch am Anfang, entwickeln sich aber schnell.
- Mach es deiner Redaktion leicht. Ein übersichtliches Backend mit Fokus auf die wichtigsten Elemente sorgt dafür, dass dein Team gern und effizient mit dem CMS arbeitet.
Fazit
Ein Tag TYPO3 Camp Berlin hat uns gezeigt, wie viel Bewegung gerade in der Community steckt. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
- TYPO3 ist zukunftsfähig. Das System entwickelt sich weiter und eignet sich auch für Anwendungen jenseits klassischer Websites.
- KI-Agenten verändern die Entwicklung. Klare Rollen und harte Qualitätskriterien machen Teams schneller, ohne an Qualität zu verlieren.
- WebMCP ist ein Thema für morgen. Behalte den Standard im Blick und handle, sobald er den Draft-Status verlässt.
- RAG braucht ein durchdachtes Setup. Erst die Kombination aus Vektor- und Keyword-Suche sorgt für präzise Ergebnisse.
- Sicherheit wird Pflicht. Softwarelieferketten rücken durch den Cyber Resilience Act stärker in den Fokus.
Welche Entwicklung bringt dich wirklich weiter?
Du willst herausfinden, welche dieser Entwicklungen für dein Unternehmen relevant sind? Dann lass uns gerne ganz unverbindlich sprechen. Gemeinsam schauen wir, wie du TYPO3 und KI sinnvoll für dein Wachstum einsetzt.
Lass uns sprechen
FAQs
Wir wissen: Begriffe wie RAG, WebMCP oder Quality Gates wirken im ersten Moment abstrakt und werfen schnell neue Fragen auf. Gerade wenn es um KI in der Web-Entwicklung geht, entstehen Unsicherheiten: Was steckt konkret dahinter? Wie aufwendig ist das wirklich? Damit du den Überblick behältst, haben wir die häufigsten Fragen rund um TYPO3 und KI für dich beantwortet. Verständlich erklärt und praxisnah eingeordnet. Und wenn danach noch etwas offen bleibt: Wir sind da – als Partner für TYPO3, KI Transformation und Web-Entwicklung.
Was ist ein TYPO3 Camp?
Ein TYPO3 Camp ist ein Barcamp der TYPO3 Community. Es gibt kein festes Programm: Die Teilnehmenden schlagen morgens selbst Sessions vor und planen den Tag gemeinsam. So entstehen Vorträge und Diskussionen zu genau den Themen, die die Community gerade beschäftigen.
Was bedeutet MCP und wie hängt es mit WebMCP zusammen?
MCP steht für Model Context Protocol. Es ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen mit externen Tools und Datenquellen verbunden werden. WebMCP überträgt diese Idee in den Browser: Die Website selbst stellt einem KI-Agenten Funktionen bereit, während Nutzer:innen auf der Seite sind.
Was ist ein Code Quality Gate?
Ein Quality Gate ist ein automatischer Prüfpunkt im Entwicklungsprozess. Code wird nur übernommen, wenn er vorher festgelegte Kriterien erfüllt, etwa eine bestimmte Testabdeckung oder keine Fehler in der statischen Analyse. So bleibt die Qualität stabil, egal ob Code von Menschen oder KI-Agenten geschrieben wird.
Was ist eine SBOM?
SBOM steht für Software Bill of Materials. Sie ist eine Art Zutatenliste deiner Software und zeigt, welche Bibliotheken und Komponenten in welcher Version verbaut sind. Wird in einer Komponente eine Sicherheitslücke bekannt, siehst du sofort, ob deine Anwendung betroffen ist.
Was ist der Cyber Resilience Act und betrifft er mein Unternehmen?
Der Cyber Resilience Act ist eine EU-Verordnung, die Mindestanforderungen an die Cybersicherheit von Produkten mit digitalen Elementen festlegt. Seine Pflichten greifen schrittweise bis Ende 2027. Ob und wie stark dein Unternehmen betroffen ist, hängt davon ab, ob du Software oder digitale Produkte herstellst oder in Verkehr bringst. Im Zweifel lohnt sich eine rechtliche Prüfung.





