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Markenstrategie

Welche Markenstrategien gibt es und welche passt zu deinem Unternehmen?

Dachmarke oder Einzelmarken? Submarke oder Endorsement? Die Frage, wie ein Unternehmen seine Marken zueinander ordnet, klingt akademisch, entscheidet aber oft über Millionen. Unser Creative Director Martin Menkhaus erklärt, welche Markenstrategien es überhaupt gibt, woran du erkennst, welche zu dir passt, und wie ein Endorsement (Bezeichnung für eine eigenständige Marke mit Billigung der Mutter) einer Krankenkasse zu echtem Wachstum verholfen hat.
Das nimmst du mit:

  • Die vier Grundtypen der Markenarchitektur
  • Vier Diagnosefragen für deine eigene Architektur
  • Best-Practice: die Audi BKK
Ein Mann in einem weißen Hemd sitzt an einem Tisch und schreibt konzentriert mit einem Stift auf einem Notizblock.
Autor

Martin Menkhaus & Anja Gribhofer
Creative Director & Senior Content Marketer 

Veröffentlichung

19. August 2026

Lesedauer

8 min

Markenarchitektur: meist geerbt, selten entschieden

Die meisten Unternehmen haben ihre Markenarchitektur nicht selbst entschieden. Stattdessen ist sie durch Zukäufe, durch Produkteinführungen oder durch Hauspolitik gewachsen. Und dann steht irgendwann die Frage im Raum, ob das Konstrukt noch passt. Soll das neue Geschäftsfeld unter der bekannten Hauptmarke laufen oder einen eigenen „Anstrich“ bekommen? Lohnt es sich, die alte Tochtermarke beizubehalten, oder zieht sie die Mutter mit nach unten?

Solche Entscheidungen können ein Millionen-Plus oder -Minus bedeuten. Sie werden aber oft nicht so behandelt. Im ersten Teil dieser Serie haben wir mit Creative DirectorMartin Menkhaus darüber gesprochen, was Markenstrategie ist und warum sie heute über Wachstum entscheidet. Im zweiten Teil geht es um eine konkrete Disziplin innerhalb der Markenstrategie: die Markenarchitektur. Welche Markenstrategien gibt es und welche passt zu welchem Unternehmen?

Markenarchitektur und Positionierung – die zwei Achsen

Bevor wir in die Typen einsteigen, was ist Markenarchitektur eigentlich, und worin unterscheidet sie sich von Positionierung?

Zwei Dinge, die in der Praxis gern zusammenrutschen. Dachmarke, Einzelmarke, Endorsement – das ist Markenarchitektur. Da geht es um die Frage, wie viele Marken du hast und wie sie zueinanderstehen. Repositioning oder Rebranding ist etwas völlig anderes. Da geht es nicht um die Beziehung mehrerer Marken, sondern darum, wofür eine einzelne Marke steht und ob das über die Zeit verändert wird.

Das sind zwei Achsen, nicht eine Liste. Wer sie verwechselt, beantwortet die Architekturfrage mit einem Logo-Relaunch und wundert sich, dass das Problem bleibt.

Die vier Grundtypen der Markenarchitektur

Welche Markentypen gibt es überhaupt?

Ich warne vor dem Missverständnis, das wäre eine Speisekarte, von der man nach Geschmack auswählt. Alle Typen sind nur Antworten auf eine einzige Frage. Nämlich: Wie sehr gehören deine Angebote im Kopf des Kunden zusammen? Oder willst du vielleicht nur, dass sie es tun?
Im Kern geht es immer um eine Abwägung: Sollen sich deine Angebote gegenseitig Vertrauen leihen oder sollen sie sich gegenseitig schützen? Stell dir das wie einen Regler vor: an einem Ende alles unter einem Dach, am anderen Ende jedes Angebot in seinem eigenen Haus.

Dachmarke: ein Name trägt alles

Ganz links steht die Dachmarke. Ein starker Name trägt alles. Bosch, Siemens, auch Apple gehören in diese Richtung. Sie sind maximal effizient, weil jedes Produkt auf dasselbe Markenkonto einzahlt. Der Preis: Ein Skandal trifft sofort alles. Zudem lassen sich sehr unterschiedliche Zielgruppen schwer unter einem Dach ansprechen.

Submarke: die Mutter führt, die Submarke dehnt

Ein Stück weiter rechts liegt die Submarke. Der starke Hauptname führt, und eine Submarke dehnt ihn in neues Terrain. Beispiele heißen Audi quattro, Porsche Cayenne, iPhone von Apple. Die Mutter bürgt, die Submarke gibt eine spezifische Bedeutung dazu.

Markenfamilie mit Endorsement: geliehene Glaubwürdigkeit

In der Mitte ist die Markenfamilie mit Endorsement zu finden. Die Tochter steht weitgehend für sich, trägt aber sichtbar das Vertrauen der Mutter mit: „ein Unternehmen der Bosch-Gruppe“, Nescafé unter Nestlé. Eigenständigkeit plus geliehene Glaubwürdigkeit.

Einzelmarken: Portfolio unabhängiger Marken

Ganz rechts stehen die Einzelmarken. Bei diesem Portfolio unabhängiger Marken bleibt die Mutter unsichtbar. Procter & Gamble mit Ariel, Pampers, Gillette ist das Lehrbuchbeispiel. Jede Marke besetzt ihre Nische, kann sogar gegensätzliche Zielgruppen bedienen, und ein Misserfolg bleibt eingekapselt. Der Preis: Du baust jede Marke bei null auf, nichts verzinst sich gegenseitig.

Zwei Personen sitzen an einem Tisch und diskutieren über Dokumente und Diagramme, während ein Laptop und ein Monitor daneben stehen.

Vier Fragen, um die richtige Architektur zu finden

Woran erkenne ich, welche Markenstrategie zu meinem Unternehmen passt?

Die wenigsten Unternehmen haben eine Markenarchitektur gewählt. Sie ist gewachsen, beispielsweise durch Zukäufe, durch Produkteinführungen, durch Hauspolitik. Der erste Schritt ist also erst einmal zu begreifen, dass das aber durchaus eine Entscheidung sein darf und kein Naturzustand.

Vier Fragen helfen weiter:

1. Teilen deine Angebote dasselbe Versprechen? Wenn ja, gehören sie zusammen, dann zahlen sie aufs gleiche Konto ein. Wenn jedes Angebot ein grundsätzlich anderes Versprechen an andere Menschen macht, trenne sie.

2. Würde der Kunde davon profitieren zu wissen, dass es zusammengehört oder würde es ihn irritieren? Vertrauen lässt sich nur übertragen, wenn die Verbindung positiv und relevant ist. Wenn deine Premiummarke und deine Billiglinie denselben Namen tragen, ziehst du die Premiummarke nach unten. Manchmal ist das Verschweigen der Verwandtschaft die klügere Strategie.

3. Würde ein Problem bei einem Angebot die anderen vergiften? Besteht eine hohe Ansteckungsgefahr in sensiblen Feldern? Dann solltest du die Marken abkapseln. Wenn sich die Angebote dagegen gegenseitig stützen, dann verbinde sie.

4. Kaufen dieselben Leute über deine Angebote hinweg oder sind das getrennte Welten? Wenn dieselben Käufer von einem Dach profitieren, spart ihnen das Mühe. Getrennte Welten dürfen jeweils ihre eigene Sprache sprechen.

Die brutalste Frage stellt aber kaum jemand: Kannst du es dir leisten? Eine Einzelmarken-Welt ist teuer. Du finanzierst dann jede Marke bei null. Viele Mittelständler:innen wollen zwar getrennte Marken, können aber das Marketing für drei oder fünf Marken nicht bezahlen. Dann entscheidet die Budgetrealität die Architektur ehrlicher als jede Strategiefolie. Lieber eine Marke, die laut genug ist, als fünf, die niemand hört.

Die Architektur ist die, die im Kopf der Kund:innen existiert – nicht die, die ihr beschlossen habt.

Und bevor irgendjemand ein Modell aufmalt: Frag zehn Kund:innen, wie deine Angebote für sie zueinanderstehen. Wenn ihre Antworten sich widersprechen und beide eurem Organigramm widersprechen –, hast du dein Ergebnis schon.

Case Audi BKK: Wie ein geliehener Name zu Wachstum führte

Hast du ein Beispiel, wo eine Markenarchitektur ein echtes Wachstumsproblem gelöst hat?

Mein liebstes Beispiel ist gerade deshalb lehrreich, weil es die zwei Achsen verbindet – Architektur und Repositionierung. Audi BKK, eine Krankenkasse, mit der wir seit Jahren arbeiten.

Die Architektur: Endorsement statt Stand-alone

Fang bei der Architektur an: Das ist eine Betriebskrankenkasse, ursprünglich an einen Arbeitgeber gebunden. Seit 2010 ist sie bundesweit für jeden geöffnet – aus einer geschlossenen Werks-Kasse wurde eine offene Marke, die im nationalen Markt gegen die ganz Großen antritt: TK, Barmer, AOK. Und sie trägt einen Namen, der eine Entscheidung ist: „Audi“. Das ist ein Endorsement. Die Kasse leiht sich das Vertrauen einer der stärksten Ingenieursmarken Deutschlands. Für einen Gesundheitsdienstleister ist das Gold wert: Präzision, Verlässlichkeit, deutsche Wertarbeit. Die Assoziationen springen sofort über. 

Der Name ist aber zweischneidig. „Audi“ kann auch wie ein Käfig wirken. Es klingt nach „nur für Audi-Mitarbeitende“, nach Autobranche, nach geschlossen. Die Architekturfrage lautete also, ob das Endorsement ein Geschenk oder eine Fessel ist. Die Antwort: ein Geschenk – aber nur, wenn man das „offen für alle“ aktiv mitkommuniziert und die Fessel-Assoziation neutralisiert.

Mehr zum Case der Audi BKK liest du auch auf unserer Website zum Thema.

Die Positionierung: Zuhören statt Preis

Dann kam das eigentliche Problem: Auf einem offenen Markt ist eine Kasse ohne Preisvorteil und mit einem Namen, der nach „geschlossen“ klingt, in echter Gefahr. Man hätte jetzt das Naheliegende tun können und den Namen entschärfen, das Endorsement abschwächen können. Das wäre aber ein Fehler gewesen. Man wirft kein geliehenes Vertrauen weg, für das andere Millionen zahlen würden.

Die Lösung lief auf beiden Achsen gleichzeitig. Die Architektur – das Audi-Endorsement – blieb als Fundament. Und darauf wurde die Marke Audi BKK neu positioniert. Aus echtem Zuhören bei den Versicherten entstand die Position „Zuhören ist unsere stärkste Leistung“ – ein Grund, gewählt zu werden, der über den Preis hinausgeht. Das Endorsement lieferte die sofortige Glaubwürdigkeit, die eine No-Name-Kasse erst teuer hätte aufbauen müssen. Die Positionierung lieferte den Versicherten einen emotionalen Grund, bei der Audi BKK zu bleiben.

Das Ergebnis

Seit 2017 wächst die Kasse und war mehrfach die am stärksten wachsende Krankenkasse Deutschlands. Heute hat sie über 800.000 Versicherte. Und die Lehre ist genau der Punkt, den die meisten verfehlen: Architektur und Positionierung sind kein Entweder-oder. Das Endorsement war das Fundament, die Positionierung das Haus darauf. Eine namenlose Kasse hätte denselben Zug nicht machen können, denn ihr hätte das Audi gefehlt, das sie sich hätte leihen können.

Fazit: Architektur entscheidet darüber, ob deine Angebote sich stärken oder schwächen

Markenarchitektur also ist keine kosmetische Frage, sondern eine über Vertrauen, Risiko und Effizienz im Marketing. Die vier Fragen oben helfen dir, deine eigene Architektur ehrlich zu prüfen: Versprechen, Kundennutzen, Ansteckungsrisiko, Zielgruppenüberschneidung. Wenn du sie ändern willst, sollte am Anfang nicht das Logo stehen, sondern eine Entscheidung. Wie viel Verwandtschaft hilft, wie viel Verwandtschaft schadet?

Wenn du dabei einen strategischen Sparringspartner brauchst, wir begleiten Unternehmen vom ersten Architekturcheck bis zur eingebauten Strategie. Ein erstes Gespräch dazu ist unverbindlich. Mehr erfährst du auf unserer Markenstrategie-Seite.

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FAQ

Häufige Fragen zu Markenarchitektur

Wir wissen: Begriffe wie Markenarchitektur, Endorsement oder House of Brands wirken im ersten Moment abstrakt und werfen schnell neue Fragen auf. Gerade wenn mehrere Marken, Töchter oder Produktlinien unter einem Dach zusammenkommen, entsteht Unsicherheit: Welches Modell passt zu uns? Wie tief greift so eine Entscheidung ins Tagesgeschäft ein? Und braucht es dafür gleich ein komplettes Rebranding? Damit du den Überblick behältst, haben wir die häufigsten Fragen rund um Markenarchitektur, Markenidentität und strategische Weiterentwicklung für dich beantwortet. Verständlich erklärt und praxisnah eingeordnet. Und wenn danach noch etwas offen bleibt: Wir sind da, als Partner für deine Markenstrategie.

Wie oft sollte man die Markenarchitektur überprüfen?

Nicht jährlich, aber auch nicht erst, wenn sie offensichtlich nicht mehr passt. Sinnvolle Anlässe sind Strategiewechsel, größere Zukäufe, neue Geschäftsfelder, ein Generationswechsel an der Spitze oder ein deutlicher Wandel im Kundenverhalten. Wer signifikante Mittel in Marketing steckt und sich fragt, warum die Wirkung nicht skaliert, sollte die Architektur als möglichen Engpass mitprüfen.

Kann ich die Markenarchitektur ändern, ohne ein Rebranding zu machen?

Ja, und das ist sogar der häufigere Fall. Architekturänderungen können sich auf Endorsements, Namensgebung von Produktlinien oder die Sichtbarkeit der Mutter beziehen, ohne dass eine einzelne Marke umbenannt wird. Eine Tochter prominenter unter das Mutterdach zu rücken oder das Endorsement zu schärfen, ist meist preiswerter und wirkungsvoller als ein klassisches Rebranding.

Was kostet eine Markenarchitektur-Beratung?

Wie bei jedem Strategieprojekt hängt der Aufwand stark vom Reifegrad ab: Wie viele Marken stehen zur Diskussion, wie viel belastbarer Research liegt vor, wie tief muss die Architektur in operative Bereiche eingreifen? Du brauchst dabei Unterstützung? Wir begleiten Unternehmen vom ersten Architekturcheck bis zur eingebauten Strategie. Mehr erfährst du auf unserer Markenstrategie-Seite.

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